Die Geschichte der Stadt Bremerhaven
Bremerhaven hat für eine deutsche Großstadt eine eher ungewöhnliche Entwicklung erfahren. Die Stadt kann nicht auf eine lange, Jahrhunderte andauernde Geschichte zurückblicken. Ihre späte Gründung und ihre recht schnelle Entwicklung zu einer bedeutenden Metropole sind für europäische Verhältnisse äußerst ungewöhnlich. In Bezug auf die Stadtentwicklung zeigt Bremerhaven tatsächlich deutlichere Parallelen zu amerikanischen, als zu deutschen Siedlungsräumen auf. Dies drückt sich unter anderem darin aus, dass hier kein mittelalterliches Stadtbild vorzufinden ist. Vielmehr dominieren zweckmäßige Gebäude wie sie für die Zeit des industriellen Aufschwungs typisch waren. Mittelalterliche Romantik ist in Bremerhaven genauso wenig zu finden wie in amerikanischen Städten. Dagegen zeigt sich hier der nüchterne Ausdruck der damals einsetzenden Industrialisierung.
Die Gründung Bremerhavens an der Wesermündung
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Bremen um seine Stellung im internationalen Seehandel fürchtete wurden die Forderungen nach einem Hafenausbau an der Küste immer lauter. Der Grund hierfür war die durch Flusssedimente einsetzende Verlandung der Weser. Die Handelsstadt Bremen wurde wegen dieser Entwicklung immer mehr von der Außenwelt abgeschlossen und drohte dadurch seine Bedeutung zu verlieren. Im Jahr 1827 erwarb man vom Königreich Hannover einen kleinen Landstrich an der Wesermündung, um dort einen Seehafen zu bauen. Dieses historische Ereignis gilt als die Geburtsstunde Bremerhavens.
Die Stadtentwicklung wird durch den Seehafen positiv beeinflusst
In den folgenden Jahren war Bremerhaven genau das was der Stadtname ausdrückte. Der Seehafen war enorm wichtig für die weitere Entwicklung Bremens. Bald wirkte sich dieser Aufschwung aber auch auf Bremerhaven positiv aus. Insbesondere durch den intensiven Seehandel und den Linienverkehr mit Amerika sowie durch die großen Auswandererwellen gewann der Hafen immer mehr an Bedeutung. Daraufhin bildeten sich bald erste Siedlungsstrukturen und es setzte allmählich eine Verstädterung ein.
Seit 1880 ist Bremerhaven eine eigenständige Gemeinde im Land Bremen. Die räumliche Ausdehnung des Stadtgebietes hielt mit dem wirtschaftlichen Entwicklungen stand. Folglich bildete sich ein großer zusammenhängender Siedlungsraum an der Wesermündung, der allerdings durch politische Grenzen beengt wurde. Die Nachbarsiedlungen Geestemünde und Lehe entwickelten sich damals ähnlich stark, allerdings befanden sich diese auf hannoverschem Gebiet und waren damit politisch von Bremerhaven getrennt.
Im Jahr 1924 wurden die beiden Städte dann zur kreisfreien Stadt Wesermünde vereinigt. Bremerhaven war damit nicht nur eine gewöhnliche Enklave, sondern war von da an auch nur von einer einzigen Stadt umgeben. Diese Situation änderte sich im Jahr 1939 als Bremerhaven im Zuge der Neugliederung des Reiches an Wesermünde angeschlossen wurde. Das Hafengebiet war davon allerdings nicht betroffen, da dieses in den Besitz der Stadt Bremen kam.
Nachkriegsgeschichte
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Stadtkreis Wesermünde ein Teil des Landes Bremen. Die Gründung des Bundeslandes wurde auf den 1. Januar 1947 festgesetzt. Im gleichen Jahr beschloss die Bremer Landesregierung die Umbenennung Wesermündes in Bremerhaven. Die Stadt an der Wesermündung war in den folgenden Jahren nach wie vor als eine wichtige Hafenstadt bekannt. Zunehmend hat sich Bremerhaven auch einen guten Ruf als Wissenschaftsstandort erarbeitet. Als positives Beispiel kann hierfür das berühmte Alfred Wegener Institut genannt werden.
Foto: Gabriele Rohde – Fotolia.com
